Fachliche Einstimmung und digitales Grußwort der Bundesfamilienministerin

Die Präsidentin des Deutschen Vereins, Dr. Irme Stetter-Karp, machte in ihrer Rede zur Einstimmung auf die Symposien und Fachforen deutlich, dass mit dem 83. Deutschen Fürsorgetag ein Ort geschaffen werde, an dem – jenseits von harter Konfrontation, vereinfachender Polarisierung und Populismus – ein offener Austausch, gegenseitiges Verständnis und echte Kooperation gefördert werden. Mit Blick auf die multiplen gesellschaftlichen Transformationsprozesse betonte sie:

„Wir müssen uns als Gesellschaft – sowohl auf individueller als auch auf institutioneller Ebene – immer wieder neu justieren. Das erfordert große Kraftanstrengungen. Genau darin kann aber auch eine Chance liegen.“

Damit es gelingen könne, die Transformationserfordernisse unserer Zeit positiv anzugehen – als Chance zu nutzen – stehe Sozialpolitik in einer besonderen Verantwortung und das Soziale ganz bewusst in der Mitte des Dreiklangs des Mottos des 83. Fürsorgetages. Es sei außerdem wichtig, sich von der Vielschichtigkeit und Größe der Transformationserfordernisse nicht überwältigen zu lassen:

„Überforderung lässt sich vor allem dann überwinden, wenn wir Wandel nicht nur als etwas sehen, das von außen mit uns geschieht, wenn wir uns ihm also nicht passiv ergeben, sondern in ein aktives Handeln kommen, wenn wir selbst mitgestalten und Einfluss nehmen, wenn wir ins Machen kommen.“

Das Motto TRANSFORMATIONEN · SOZIAL · MACHEN sei in diesem Sinne als Aufruf an uns alle zu verstehen, die Veränderungsprozesse dieser Zeit im Sinne des Sozialen aktiv zu nutzen und mitzugestalten.


Im Rahmen ihrer fachlichen Einordnung erläuterte Präsidentin Dr. Irme Stetter-Karp zudem folgende zentrale Botschaften des 83. Deutschen Fürsorgetages:


Soziale Fragen müssen im Zentrum der Transformationsprozesse stehen!
Bei der Gestaltung von Transformationsprozessen ist es wesentlich, soziale Aspekte von Anfang an mitzudenken und sie nicht finanziellen, wirtschaftlichen oder ökologischen Belangen unterzuordnen. Um die Transformationserfordernisse unserer Zeit positiv anzugehen und als Chance zu nutzen, kommt es entscheidend auf eine gute Sozialpolitik an: Es geht darum, Menschen in ihren individuellen Lebenslagen zu adressieren, sie im Umgang mit dem Wandel zu befähigen und Infrastrukturen für Menschen aller Altersgruppen sicherzustellen. Inklusion muss dabei ein leitendes Prinzip sein. Bei der Gestaltung von Transformationen müssen wir uns die zentrale Grundfrage stellen, wie Generationengerechtigkeit gelingen kann: Dies gilt für die sozial-ökologische Transformation ebenso wie für eine Modernisierung der sozialen Sicherungssysteme. Gerade mit Blick auf die Umbrüche in der Arbeitswelt und den digitalen Wandel sind Bildung und Weiterbildung ein zentraler Schlüssel zum Erfolg. Dabei ist es unverzichtbar, dass Bildungs- und Sozialpolitik gemeinsame Strategien entwickeln.


Der Sozialstaat ist Garant für den gesellschaftlichen Zusammenhalt!
Damit der Sozialstaat auch in Zukunft stark sein und zielgerichtet wirken kann, braucht er Reformen. Reformen so zu gestalten, dass sie Zuversicht und Vertrauen in den Sozialstaat fördern, ist eine zentrale Aufgabe, die auch zur Stabilisierung der Demokratie beiträgt. Ein moderner Sozialstaat muss zugänglicher, verständlicher und digitaler werden, gerade auch für diejenigen, die ihn am meisten brauchen. Bürokratie und Überregulierung sollten abgebaut, Effizienzpotenziale gehoben werden. Gleichzeitig muss der Sozialstaat Sicherheit bieten. Zudem sollte die soziale Infrastruktur vor Ort unter den veränderten Rahmenbedingungen so aufgestellt werden, dass sie ihrer wichtigen Funktion zur Stärkung des gesellschaftlichen Zusammenhalts auch in Zukunft gerecht werden kann. Nicht zuletzt geht es um die übergeordnete und entscheidende Frage nach einer klugen Prioritätensetzung beim Umgang mit bestehenden finanziellen Ressourcen, denn wir brauchen einen Sozialstaat, der langfristig tragfähig ist.


Transformationen gelingen, wenn wir tragfähige Kompromisse finden und sie als gemeinsame Erfolge feiern!
Bei der Gestaltung von Transformationsprozessen, die von kontroversen Auseinandersetzungen geprägt sind, ist die Wertschätzung fachlicher und politischer Kompromisse eine wichtige Grundvoraussetzung. Kompromisse sind mehr als der kleinste gemeinsame Nenner. Unter Berücksichtigung der unterschiedlichen Perspektiven können gerade durch das gemeinsame Ringen um das beste Ergebnis neue und ausgewogene Lösungswege entwickelt werden. Dabei geht es darum, andere Meinungen und Bedarfe auszuhalten, auf andere zuzugehen und sich auf ihre Positionen und Perspektiven einzulassen.

Datum

16.09.2025 (Dienstag)

Uhrzeit

15.00 Uhr - 15.45 Uhr

Raum

Saal Halle 1

Speaker*innen